Randsportart – Leidenschaft mit Hindernissen

Randsportart – Leidenschaft mit Hindernissen

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Schauen wir uns lieber eine Randsportart oder eine Spitzensportart an? Die Entscheidung wird zu einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit pro Spitzensportart ausfallen. Randsportarten bekommen oft überhaupt keine Chance.

Was ist Spitzensport?

Was unterscheidet die zwei Kategorien überhaupt? Auf diese Frage hat wahrscheinlich jeder/jede eine eigene Antwort. Spitzensport sieht für mich so aus, dass sich viele Menschen damit auseinandersetzen. Millionen von Zusehern befinden sich in Stadien oder verfolgen den Sport vor dem Fernseher. Die Aufmerksamkeit liegt voll und ganz bei diesen wenigen Sportarten. In den Medien nehmen Berichte und Artikel dazu meist rund 95 Prozent des sportlichen Inhalts ein.

In Österreich zählt bestimmt der Skisport zu den Spitzensportarten, während es in Neuseeland Rugby ist. Ein Sport hat weltweit in den meisten Ländern eine Vormachtstellung: Fußball. Mittlerweile bewirbt man Sportsendungen, die „Sport…“ heißen, wobei schlussendlich ausschließlich Fußball gezeigt wird.

Was zählt als Randsportart?

Randsportarten sind sozusagen der Rest. Alles, was keine, kaum oder deutlich geringere Aufmerksamkeit bekommt als „die Großen“. Es ist etwas, das man nicht schnell beim Durchzappen auf dem TV entdeckt und dann ansieht. Meist findet man es gar nicht im Programm, nicht einmal selten, sondern nie. Mit diesen Sportarten sind die gemeint, mit denen man es nie zu großem Ruhm schaffen kann. Darts zählte lange zur Randsportart, bekommt aber nach und nach mehr Aufmerksamkeit. In den kleineren Ligen ist es aber weiterhin auf „Randsportart-Niveau“. Hat schon einmal jemand etwas über Rhönradturnen oder Kabaddi gehört? Ist dir Radball ein Begriff? Weißt du, dass Faustball nicht nur in der Schule gespielt wird?

Für das Ausüben solcher Leidenschaften wird man gerne belächelt. „Warum machst du das? Es gibt doch viel bessere Sachen.“ „Hast du es schon einmal mit etwas anderem probiert?“ „Das führt doch zu nichts!“ „Hahaha, ok?!“ Eine Randsportart ist die, über die man gerne erzählen würde, aber selten jemand zuhört, geschweige denn mitreden kann. Eine Leidenschaft, die nur wenige mit dir teilen. Man muss sich darauf einstellen, dass man ein wenig zum Außenseiter wird.

Ärger und Leidenschaft

Spitzensport schlecht reden wäre der falsche Weg. Noch dazu, wenn man es selbst Tag und Nacht gerne schaut wie die meisten unter uns. Darauf hinweisen, dass vieles falsch läuft, sollte aber erlaubt sein. Geld ist natürlich der größte Faktor. Es geht nicht mehr um die Liebe zum Sport, sondern um Geld. Jahr für Jahr wird das deutlicher – durch die Coronakrise vielleicht deutlicher denn je. Für die Fans liegt aber nach wie vor die Leidenschaft im Vordergrund. Der Ärger ist groß, die Leidenschaft bleibt.

Ärger, den es bei Randsportarten eher selten gibt. Unzufriedenheit herrscht beispielsweise, weil der Sport keine Beachtung findet. Ansonsten ist der Enthusiasmus deutlich spürbar. Man kann nicht unbedingt sagen, dass die Leidenschaft bei Fans und Spielerinnen und Spielern von Randsportarten größer ist als die bei Spitzensportarten, aber es ist eine ganz andere Leidenschaft.

Randsportart: Erarbeitete Leidenschaft

Fußball, Basketball, Eishockey oder Tennis spielen bzw. schauen zu können, ist ganz normal. Man muss sich nicht einmal bemühen, einen Verein oder Übungsplätze zu finden, sondern einfach machen. Will man etwas über die Athletinnen und Athleten oder über die Sportart im Allgemeinen wissen, wird es einem/einer praktisch vor die Füße gelegt. Hier liegt der springende Punkt: Bei Randsportarten ist das genaue Gegenteil der Fall.

1. Eigeninitiative erforderlich

Man bekommt keine Übertragungen, sondern muss YouTube-Videos anschauen. Tutorials und Erklär-Videos findet man ein oder zwei, kann also nicht aussuchen. Jemanden schnell fragen ist schwer, weil es wahrscheinlich niemand in der nähren Umgebung praktiziert. Bücher und Artikel sind Mangelware. Was folgt, ist ein Haufen Arbeit. Man muss selbst das Internet oder Bücher durchstöbern und dort jede Kleinigkeit heraussuchen. Damit eignet man sich die Sportart selbst an oder höchstens in einem kleinen Kreis.

2. Sportart verteidigen

Hat man diese Bemühungen hinter sich, folgt etwas, das mitunter sehr mühsam sein kann: die Rechtfertigung. Oben genannte Fragen tauchen auf und es gibt einige Personen, die einem/einer die Leidenschaft schlechtreden, ob gewollt oder ungewollt.

Wie oft müssen sich Wrestling-Fans anhören oder lesen, dass ihre Sportart „fake“ sei. Ja, ist es! Aber da steckt so viel mehr dahinter, was die Menschen wöchentlich zum Einschalten bewegt. Dasselbe gilt beispielsweise für Darts. Hier ist das Argument, dass es kein richtiger Sport sei. Jeder Dartsspieler wird anderer Meinung sein. Den Spielerinnen und Spielern von Boccia oder Frisbee wird es sicher schon einmal ähnlich gegangen sein. Die Frage, was einen Sport zu diesem macht, ist aber ohnehin mühselig.

3. Eine Randsportart kann teuer werden

Es wird kaum Geld in kleinere Sportarten investiert. Einnahmen aus dem Medienbereich gibt es ebenfalls nicht, da sie nicht vertreten sind. Dadurch können Sportarten aber wiederum nicht größer werden – ein Teufelskreis. Trotz alledem werden regelmäßig Welt-, Europa- und Staatsmeisterschaften veranstaltet. Turniere gibt es unzählige. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind glücklich darüber bei solchen Veranstaltungen mitmachen zu können.

Das wird auf die Dauer teuer. Die Veranstaltungen finden in kleinen abgelegenen Orten statt, weit weg von der Heimat. Organisieren muss sich jeder/jede selbst etwas, nicht nur Amateure, auch bei Profis ist das der Standard. Die Reisen, das Equipment, die Turniergebühren, all das sammelt sich schnell zu einer hohen Summe an. Auf der Einnahmenseite steht nur der Job, dem man unter der Woche nachgeht, um sich mitunter seinen Sport leisten zu können.

4. Aussichtslose Situation

Schlussendlich führt man den jeweiligen Sport aus, ohne eine rosige Zukunft vor Augen zu haben. Die Perspektive sieht bei Randsportarten meist gleich aus: Es stagniert und die Sollseite ist immer größer als die Habenseite. Man macht es aber aus Liebe zum Sport.

Es kommt auf die kleinen Dinge an

Eine Randsportart zu betreiben ist nicht immer einfach. Was man den Sportlerinnen und Sportlern zugute halten muss, ist die große Begeisterung, die sie mitbringen. Ohne die wäre es wahrscheinlich nicht möglich, der Leidenschaft nachzugehen. Für sie zählen die kleinen Erfolge, wie Turniergewinne. Manchmal ist nicht einmal das wichtig, sondern nur der Plausch mit Gleichgesinnten, der eine Veranstaltung schon lohnenswert macht.

Bewundernswert ist, wie glücklich die Menschen, die Randsportarten betreiben, zu sein scheinen, wenn man über die Sportart redet, nicht mehr und nicht weniger. Alle sind froh darum, alle blühen auf. Gibt man ihnen dann noch eine Plattform, um sich oder ihre Sportart vorzustellen, bringen sie einem eine Menge Dankbarkeit entgegen. Die kleineren Sportarten sind „bodenständig“ und „ehrlich“, wenn man die zwei Wörter so verwenden kann. Eine Eigenschaft, die sie sehr von „den Großen“ unterscheidet. Und das alles trotz des enormen Aufwandes, ohne viel dafür zurückzubekommen – oder gerade deswegen.


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Nemi Sever

Meine große Leidenschaft ist Sport. Während ich Sportarten wie Wrestling, Darts und Fußball schon seit Jahren verfolge, gebe ich auch gerne anderen eine Chance. Hinter jeder Sportart steckt immer mehr, als man denkt.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Robert

    Schöner Beitrag zu oftmals vergessenen Sportarten! 🙂

    1. Nemi Sever

      Vielen Dank! Mehr folgt bald, vor allem im Podcast 🙂

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